
Geschichte der „Stiftung Büro Pfarrer Grüber“ – von 1938 bis heute
Die heutige Stiftung Büro Pfarrer Grüber blickt auf eine fast 90-jährige Geschichte zurück. ihre Entstehung datiert in die Zeit der dunkelsten Stunden deutscher Geschichte, aber sie markiert auch Zeiten des Mutes Einzelner und Vieler in dieser schwierigen Zeit.
Was 1938 als lebensgefährliche Rettungsaktion im Untergrund begann, setzen wir auch heute als ein lebendiges Fundament für soziale Hilfsarbeit, Erinnerungskultur und Zivilcourage fort.
1938–1941: Hoffnung und Rettung im Terrorregime
Nach den Novemberpogromen übernahm der Berliner Pfarrer Heinrich Grüber im Dezember 1938 die Leitung der neugegründeten „Hilfsstelle für nichtarische Christen“ in Berlin (heute sagen wir: Christen jüdischer Herkunft). Während die Evangelische Kirche weitgehend zum Schicksal dieser Christen schwieg, schuf Grüber eine Anlaufstelle, um sogenannten „nichtarischen“ Christen zu helfen. Das Ziel war es, diesen Menschen, die nach den Nürnberger Gesetzen als Juden galten, Schutz und vor allem die Ausreise aus Deutschland zu ermöglichen.
Am 7. Dezember 1938 schrieb Grüber: „An alle Vertrauensleute! Ich bitte, jetzt alle Briefe für mich, die nicht an mich persönlich gehen, zu adressieren an Büro Pfarrer Grüber, Berlin N 24, Oranienburger Str. 20“. Damit war der Name geboren, sollte er auch zunächst nur vorübergehender Natur sein. Er prägte die Arbeit der Hilfsstelle von Beginn an.
Später wurden zur Bewältigung der wachsenden Aufgaben zusätzliche Räume in einem alten Patrizierhaus „An der Stechbahn 3-4“ angemietet.
Das Büro entwickelte sich schnell zu einem weiten Netzwerk mit rund 35 Mitarbeitenden in der Berliner Zentrale und über 20 Vertrauensleuten im ganzen Land. Die Arbeit war lebensgefährlich und umfasste:
- Auswanderungshilfe: Organisation und Beschaffung von Visa, Pässen, Schiffspassagen und Geld für die Emigration
- Alltagshilfe: Unterstützung bei Behördengängen, Rechtsberatung und Seelsorge.
- Bildung: Bau eigener Schulen für Kinder, denen der Besuch öffentlicher Schulen streng verboten war.
Die Seelsorgeabteilung leitete der wegen seiner eigenen jüdischen Herkunft aus dem thüringischen Kirchendienst entlassene Theologe Pfarrer Werner Sylten. Er wurde später zum Stellvertreter Grübers ernannt.
Die Arbeit stand unter ständiger Beobachtung der Gestapo. Heinrich Grüber wurde im Dezember 1940 verhaftet. Von diesem Zeitpunkt an übernahm Werner Sylten die Geschäftsführung und versuchte, das Büro vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen. Im Winter 1940/41 wurde die Hilfsstelle von der Gestapo gewaltsam geschlossen. Trotz der Schließung führten einige Mitarbeitende die Hilfsarbeit im Untergrund fort und retteten weitere Menschen vor der Deportation.
Heinrich Grüber wurde verhaftet und in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau deportiert, weil er gegen die Deportation von Juden protestiert hatte. Er überlebte und setzte sich fortan erneut und bis zu seinem eigenen Tode für die Rechte der (ehemals) verfolgten evangelischen Christen jüdischer Herkunft ein.
Werner Sylten wurde im Februar 1941 verhaftet, in das KZ Dachau deportiert und am 12. August 1942 in der „Euthanasie“-Tötungsanstalt Schloss Hartheim mit Gas ermordet.
Beide wurden später in Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
Das Büro Pfarrer Grüber verhalf über 1.200 rassistisch verfolgten Menschen zur lebensrettenden Ausreise.

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